Der tägliche liturgische Gedanke

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aktualisiert am 23. Dezember 2020
Der tägliche liturgische Gedanke im Advent 2020

Die täglichen liturgischen Texte sind im Stundenbuch Online verfügbar.

Donnerstag, 24. Dezember 2020

„Er lenkt unsere Schritte auf dem Weg des Friedens“ (zu Lk 1,67-79, von P. Matteo)

Der prophetische Hymnus des Zacharias, der über die Geburt seines Sohnes Johannes jubelt, schließt die Adventzeit. Die Kirche betet diesen Text, den „Benedictus“, jeden Morgen. Er erinnert an alle Verheißungen Gottes, die jetzt durch Jesus in Erfüllung gehen.

Eine von diesen Aussagen hat mich immer berührt: „Er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinem Angesicht all unsre Tage“. Was gibt es Schöneres als das: Ohne Feinde und ohne Angst in der Gegenwart Gottes ihm jeden Tag dienen zu können, an seinem guten Plan für die Menschen mitzuwirken? Vielleicht machen wir nicht immer diese Erfahrung. Aber sie wird uns jeden Morgen von der Kirche ermutigend versprochen. Sie ist uns geschenkt.

Der letzte Vers des Benedictus hallt in der ersten Lesung der Heiligen Nacht wider: Das helle Licht Jesu leuchtet allen, die in Finsternis gehen und lenkt unsere Schritte zum Frieden.

Mittwoch, 23. Dezember 2020

„Niemand in deiner Verwandtschaft heißt so“ (zu Lk 1,57-66, von P. Matteo)

Als Elisabeth und Zacharias dem neugeborenen Kind seinen Namen geben, sind Verwandte und Freunde irritiert, weil niemand in der Familie „Johannes“ heißt. Dieses Unerwartete ist Zeichen für die Neuheit, die dieses Kind verkünden und vorbereiten wird. Obwohl verschiedene prophetische Schriften des Alten Testaments seine Aufgabe ankündigen, stellt der zukünftige Täufer einen neuen Beginn der Geschichte dar. Er wird herausgeholt aus seiner Familie und aus seiner Vergangenheit, um ganz für Gott verfügbar zu sein.

Mit jedem neuen Menschen beginnt Gott eine neue Geschichte, die nicht zwingend von der Vergangenheit abhängt und gänzlich beeinflusst wird. Freiheit heißt Mitwirken bei seiner schöpferischen Neuheit.

Dienstag, 22. Dezember 2020

Denn der Mächtige hat Großes an mir getan (zu Lk 1,46-56, von P. Matteo)

Das Evangelium von heute gibt das „Magnificat“ Mariens wieder. Die Mutter Gottes antwortet auf das Lob der Elisabeth mit einem Hymnus, einem Lied, wodurch sie Gott für seine großen Taten lobt.

Sie drückt ihre Demut aus, indem sie über ihre „Niedrigkeit“, ihr Kleinsein spricht. Alles was sie ist und hat, ist Gnade, Geschenk Gottes, der sich ihrer erbarmt hat. Gleichzeitig sieht sie voraus, dass alle Generationen sie selig dafür preisen werden, was der Allmächtige in ihr und durch sie getan hat. 2000 Jahre Geschichte bestätigen die Prophetie dieses Textes.

Der Lobpreis Mariens stellt aber auch den christlichen Blick auf die Geschichte dar. Maria sieht schon jetzt, was nur noch anfänglich ist, was Gott durch sie gerade beginnt.

Auch wir sind dazu berufen, das Werk Gottes in unserem Leben und im Leben der Welt zu erkennen. Deshalb betet die Kirche das „Magnificat“ jeden Abend. Dieses Wirken Gottes zeigt sich oft in „kleinen“ Geschichten, die nicht von den großen Medien berichtet werden. Gerade durch dieses Kleine vollbringt der Allmächtige doch sein Heil.

Montag, 21. Dezember 2020

Die erste Begegnung zwischen zwei Christinnen (zu Lk 1,39-45, von P. Matteo)

Gleich nach der Verkündigung eilt Maria zu Elisabeth, der Mutter des Johannes, die im sechsten Monat schwanger ist. Das erste Handeln Marias ist ein Akt der Nächstenliebe. Sie denkt gleich an jemand anderen. Sie bleibt nicht zu Hause, um an sich selbst zu denken und sich um ihre neue Situation zu kümmern.

Die junge Frau nimmt eine lange Reise auf sich, um der Verwandten zu helfen. Daraus entsteht eine rührende und wunderbare Begegnung zwischen zwei Frauen, die von dem erfüllt sind, was
Gott in ihnen bewirkt hat. Das Werk Gottes verbindet sie in einer neuen Art und Weise. Sie tragen nicht nur in ihren Schößen, sondern in ihren Gedanken und ihrer Seele das Geheimnis Gottes.

Maria und Elisabeth sind erfüllt vom heiligen Geist und können nur Lob und Freude ausdrücken. In ihrem Schoß beginnt die Verwirklichung der frohen Botschaft, beginnt das Christentum. Diese Begegnung können wir als die erste Begegnung zwischen zwei Christen überhaupt betrachten.

Jede christliche Begegnung könnte ein Widerhall dieser ersten geisteserfüllten und fröhlichen Begegnung sein.

Sonntag, 20. Dezember 2020, 4. Adventsonntag

Verkündigung

Bild: Verkündigung (Marie Malherbe)

Der Herr wird dir ein Haus bauen (zu 2 Sam 7; Lk 1,26-38, von P. Matteo)

König David möchte für Gott ein Haus - einen Tempel - aufbauen. Sein Sohn wird es erst tun. Aber Gott antwortet ihm: 
Nicht du wirst mir ein Haus bauen, sondern ich werde für dich und für mein Volk ein Haus bauen - einen Ort, wo ihr ohne Angst leben könnt. Und dein königliches Haus, dein Stamm, wird ewig bestehen. 

Der Erzengel Gabriel verkündet Maria, dass diese Verheißung durch ihren Sohn in Erfüllung gehen wird, dass Jesus auf dem Thron Davids in Ewigkeit herrschen wird. Maria selbst ist diese Wohnung Gottes in der Welt, da sie - von der Kraft Gottes überschattet - den Sohn Gottes im Schoß getragen hat. Sie ist auch das Bild der Kirche.

Gott kommt in die Welt. Der Ewige kommt in Zeit und Raum und schafft dadurch für den Menschen ein Haus, ein Zuhause. Das „Ja“ von Maria ist wie das „Ja“ zu jeder Berufung Gottes auch ein „Ja“ zu diesem neuen Zuhause, das einem dadurch geschenkt wird.

Samstag, 19. Dezember 2020

Die unerschöpflichen Möglichkeiten Gottes (zu Lk 1,5-25, von P. Matteo)

In jenen Monaten hat der Engel Gabriel viele wichtige Aufträge zu erfüllen gehabt!

Im heutigen Evangelium wird die Verkündigung der Geburt des Johannes des Täufers erzählt.

Zacharias und Elisabeth werden trotz des vorgerückten Alters dem großen Propheten das Leben schenken. Wie auch anderen Paaren im Alten Testament schenkt ihnen Gott die Freude eines Kindes, wenn jegliche menschlichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Oft greift Gott nach langer Zeit ein, wenn alles verloren scheint. Er zeigt deutlich, dass für Gott nichts unmöglich ist, wie der Erzengel Gabriel zu Maria sagen wird.

Für das fromme, ältere Paar eröffnet sich diese unerwartete Möglichkeit, als Zacharias im Tempel betet und seinen Dienst als Priester verrichtet. Das Gebet, die Verbindung mit dem Herrn schenken uns die Haltung und den Blick, die notwendig sind, um die Möglichkeiten Gottes zu erkennen und uns ihnen zu öffnen.

Freitag, 18. Dezember 2020

Nach dem Plan Gottes lieben (zu Mt 1,18-24, von P. Matteo)

„Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich“. Das „Ja“ des Josef zum Engel und zu Maria ist gleich ein Handeln. Er zeigt große Bereitschaft und Vertrauen auf Gott.

Die Haltung, die es ihm ermöglicht hat, in dieser außergewöhnlichen Situation für Gott verfügbar zu sein, wurde lange durch viele kleinere „Ja“ vorbereitet. Sein Leben, sein Gebet, seine Stille haben den Raum dieser Bereitschaft erschaffen, den Raum für Maria und das Kind.

Für Josef war klar, dass er die Beziehung mit Maria und mit dem Kind nicht nach seinen Vorstellungen und Ansprüchen leben konnte. Sie waren nicht sein Besitz, er hat sie von der Hand Gottes angenommen. Josef war Vertreter von jemand anderem. Er hat so geliebt, wie der Plan Gottes für ihn war. Hier sind seine Demut und seine Größe.

Vielleicht könnten wir immer wieder an einige unserer Mitmenschen denken und im Gebet fragen: „Was willst du Gott von der Beziehung mit dieser Person? Wie kann ich sie nach deinem Auftrag leben?“

Donnerstag, 17. Dezember 2020

Eine lange Vorbereitung (zu Mt 1,1-17, von P. Matteo)

Mit dem 17. Dezember beginnt der letzte Teil des Advents, in dem die Evangelien gelesen werden, welche die Geburt Jesu näher vorbereiten. Das Evangelium von Matthäus beginnt mit dem Stammbaum Jesu: von Abraham, dann König David, dann den Königen zur Zeit der Gefangenschaft Israels in Babylon bis zu Josef, dem Mann Marias. Eine lange Liste von Namen und indirekt von ihren Geschichten überwältigt uns. Dabei sind Heilige, Menschen, die von Gott berufen wurden und mit ihm gesprochen haben, aber auch Sünder, Könige, die sich Gott abgewendet haben, Namen, die an schmerzhafte und traurige Wenden der Heilsgeschichte erinnern. 

All das ist ja Heilsgeschichte, all das hat die Geburt Jesu, das Kommen Gottes in die Welt vorbereitet. All diese Namen zielen auf den Messias. Gott schreibt auf krumme Zeilen gerade. Er kann alles verwenden, um seine Geschichte zu schreiben. Anscheinend unbedeutende oder unverständliche Gegebenheiten können in dem Blick Gottes sehr wichtig sein. 

So können auch wir auf unsere Vergangenheit und auf unsere Gegenwart mit diesem hoffnungsvollen Blick Gottes schauen. „Alles ist gut gewesen, auch das Böse“, schreibt eine italienische Dichterin.

Mittwoch, 16. Dezember 2020

Advent bleibt (zu Lk 7,18b-23, von P. Matteo)

„Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ So fragt Johannes der Täufer Jesus durch seine Jünger. Er hat auf das Kommen des Messias mit Sehnsucht gewartet, hat sich ihn sicher lange vorgestellt. 

Jesus hat aber ein anderes Gesicht, er ist anders als seine Vorstellungen. „Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt“, sagt Jesus. Er ist immer anders, größer als unsere Vorstellungen. Wir müssen uns immer neu anpassen, uns immer wieder neu auf ihn vorbereiten. Advent bleibt eine Eigenschaft des christlichen Lebens auch nach Weihnachten, auch nachdem Jesus schon gekommen ist. Er erfordert Bewegung und ermöglicht Bewegung: Auch „Lahme gehen“.

Dienstag, 15. Dezember 2020

Die Zuneigung, die umkehren lässt (zu Mt 21,28-32, von P. Matteo)

Was brachte den zweiten Sohn dazu, doch in den Weinberg arbeiten zu gehen, nachdem er zuerst nein gesagt hatte?

Eine gewisse Liebe, eine Zuneigung zum Vater. Aufgrund dieser Zuneigung hat er sein „nein" bereut und ist gegangen. 

Die Sünder des Evangeliums gelangen eher ins Reich Gottes, weil sie wissen, was Jesus ihnen geschenkt hat, und lieben ihn und kehren um. Es geht ja um diese Zuneigung, die alles in Bewegung setzt. Wachse uns in dieser Adventzeit die Zuneigung für Jesus, der sich arm macht, um zu uns zu kommen!

Montag, 14. Dezember 2020

Der Autor der Autorität (zu Mt 21,23-27, von P. Giovanni)

Als Jesus in den Tempel ging und dort lehrte, nachdem er alle Händler und Käufer hinausgeworfen hatte, kamen die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen: „Mit welcher Autorität tust du das?“

Es gefällt mir, an Jesus zu denken, der aus der Schriftrolle das Wort Gottes aufmerksam vorliest und deutet. Ich stelle mir vor, wie er kurz innehält, als die Hohenpriester in den Tempel hereinbrechen. Dann schaut er sie mit derselben Aufmerksamkeit an, die er der Schriftrolle gewidmet hatte, und hört ihnen genau zu, als ob er jetzt aus dem Buch ihres Lebens weiterlesen würde. Eine überraschende Kontinuität zwischen dem Wort Gottes und dem Leben dieser Menschen - und zwischen dem Leben dieser Menschen und dem Wort Gottes.

In dieser Kontinuität sehe ich seine Autorität. Keine Schroffheit und keine Starre. Schroffheit ist nicht mit Stärke zu verwechseln und Starre nicht mit Würde. Stärke und Würde fordern den Menschen heraus, Schroffheit und Starre belassen ihn in seiner Unreife. Daher die Frage: „Ich will euch eine Frage stellen.“ Er sagt ihnen nicht, was sie zu tun oder zu glauben haben. Er lädt sie ein, selbst im Buch ihres Lebens zu lesen und zu deuten oder eine bestimmte Seite noch einmal durchzunehmen, um nach einer Antwort zu suchen. Und er tut es, wie nur der Autor des Buches selbst es tun kann.

Sonntag, 13. Dezember 2020, 3. Adventsonntag

Johannes der Täufer

Bild: Johannes der Täufer (Marie Malherbe)

Glaube aus zweiter Hand? (zu Joh 1,6-8.19-28, von P. Giovanni)

„Die Juden von Jerusalem sandten“ Leute zu Johannes mit Fragen. Sie gehen nicht selbst hin. Sie senden Priester, Theologen, Journalisten… Und die, die hin gehen um die Fragen zu stellen, fragen nicht für sich selbst. Sie sagen: „Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Antwort geben.“  Johannes antwortet: „Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste.“ Die Wüste des Menschen, der sich selbst nicht stellt, mit den Fragen, die ihm am Herzen liegen. Die Wüste des Menschen, der sich mit Berichten und Meinungen von Dritten beschäftigt. Die Wüste des Menschen, der sich mit vorgegebenen Glaubenswahrheiten und Frömmigkeit zufrieden gibt.

Es gibt aber keinen Glauben aus zweiter Hand. Der Glaube kann nur als unmittelbare und persönliche Beziehung mit Gott gelebt werden. 

Samstag, 12. Dezember 2020

Doch sie haben ihn nicht erkannt… (zu Mt 17,9a.10-13, von P. Giovanni)

Ich erinnere mich an einen Film über ein heranwachsendes Kind, das seine Familie verlassen musste. Es wurde in einem anderen Land von einer Familie aufgenommen und aufgezogen, seine wahre Identität aber musste ea aus politischen und religiösen Gründen als Geheimnis hüten. Etwas stimmte nicht, etwas in ihm konnte sich nicht an die neuen Umstände anpassen, auch wenn die neue Familie sehr gut war und alles nach den besten Absichten unternommen wurde, um ihm ein neues Zuhause zu geben - eine gute Ausbildung und viele gute Freunde. Etwas stimmte nicht. Plötzlich spricht der Junge es selber aus: „Ich kann nicht wie sie werden, sonst werden sie mich nicht mehr erkennen.
Er hatte Angst, dass seine eigene Mutter ihn nicht mehr erkennen würde, wenn er so wird wie die neuen Umstände von ihm verlangen.
 
Das, was die neue Familie zuerst nicht verstehen konnte, wird plötzlich erkannt als das, was den Jungen am Leben hält. Aus ihm kann nicht mehr werden, was sie wollen. Sie müssen sich auch an ihn anpassen.

Erkennen bringt immer eine Veränderung, die eigene Veränderung, mit sich.

Freitag, 11. Dezember 2020

Und doch hat die Weisheit durch die Taten… Recht bekommen. (zu Mt 11,16-19, von P. Giovanni)

Die Gleichgültigkeit, die uns oft unberührt durch das Leben gehen lässt - oder besser gesagt: die uns im Leben wie betäubt stehen lässt - ist eine schlimme Krankheit und führt zur Einsamkeit.
Gut, dass man daran nicht sterben kann, weil man eben schon gestorben ist.
Wer sich nicht entscheidet, hat schon entschieden, allein zu sein - oder anders gesagt: sich nicht ändern zu lassen.
Die Entscheidung ist das, was uns als Menschen ausmacht, weil nur dort die Freiheit brennt und sich verwirklichen kann. Ist die Entscheidung gut oder ist sie schlecht, werden wir nicht wissen können, solange wir sie nicht getroffen haben. Haben wir sie getroffen, werden wir auf jeden Fall darin leben und auch
durch die Tat sehen, in welche Richtung wir uns bewegen.

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Ein leichter Widerstand (zu Mt 11,7b.11-15, von P. Giovanni)

Es bedarf der Überwindung eines leichten Widerstandes, um den Laptop zuzuklappen, das Handy auszuschalten und ein bisschen Freiraum auf dem Schreibtisch zu schaffen, sich selbst zum Stillstand zu bringen. Ein Blatt Papier kann helfen. Es kann helfen, um zu sich zu kommen und einige Worte zu fangen, die nahe am Herzen liegen oder wandern, und sie niederzuschreiben. Dann gibt man sie in ein Kuvert und schreibt eine Adresse darauf. Habe ich noch sowas, eine Adresse? Briefmarken drauf und dann ab in den gelben Briefkasten. Anvertraute Worte sind gerettete Worte. Es bedarf etwas Gewalt, um sich der Betriebsamkeit unserer Gesellschaft zu entziehen und eine neue Ordnung in unser Leben hereinzulassen. Alle Propheten hat das das Leben gekostet, aber sie hatten die Ordnung, die die Adresse des Himmels noch kennt.

Mittwoch, 9. Dezember 2020

Ziehe mein Gesetz an - ich schalte die Schwerkraft aus (zu Mt 11,28-30, von P. Giovanni)

Gestern Abend war Filmabend. Es ist schön zu sehen, wie die Astronauten so leicht im Raum schweben, ohne Mühe Dinge in Bewegung setzen, die ungebremst ganz leicht weiter fliegen. Alles wirkt frei, friedlich und ruhig. Ist der Film aus, macht man das Licht an und fragt sich: „Wo ist der Schalter der Schwerkraft?“.
Wie setzt man die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft? Nicht nur die physischen, die das Aufstehen mühsam machen, sondern vor allem die seelischen, die moralischen?
„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. […] Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.“
Vielleicht sollen wir zuerst dieses Joch auf uns nehmen, das Gesetz der Liebe anziehen, seiner selbstlosen Liebe, um eine neue Leichtigkeit in unserem Leben zu erleben, um uns von der Kraft des Geistes tragen zu lassen.

Dienstag, 8. Dezember 2020, Mariä Empfängnis

„Hab keine Angst...“ (zu Lk 1,26-38, von P. Giovanni)

Der Blick von Medusa hat die Menschen, die sie angeschaut hat, versteinert. Einige meinen, weil sie sehr hässlich war, andere meinen, weil sie sehr schön war, wiederum andere meinen, weil sie magische Kräfte besaß. Eine Erklärung finde ich aber schöner: Sie behauptet, dass man sich selbst in ihren Augen widerspiegelte und erkannte. Das brachte die Menschen zur Verzweiflung und nahm ihnen die Hoffnung, aus eigener Kraft so eine große Aufgabe zu bestehen. Auf wienerisch: „bist du gelähmt“. Vor Angst gelähmt oder eben versteinert.
„Hab keine Angst“ sind die Worte des Engels an Maria, gleich gefolgt von: „denn Du hast Gnade bei Gott gefunden“. Sie wird unmittelbar eingeladen, den Blick nicht auf sich selbst zu richten, sondern auf den, der sie beauftragt. In dieser schnellen Bewegung, wird sie zur Mittlerin der Gnade auch für uns.

Montag, 7. Dezember 2020

Ab auf's Dach (zu Lk 5,17-26, von P. Giovanni)

Ob er überhaupt einverstanden war? Er, der Gelähmte! Seine Freunde kommen einfach vorbei, packen ihn, und ab zu Jesus. Da viel los war, entscheiden sie sich für das Dach. Mit der Tragbahre klettern sie aufs Dach. Ob er überhaupt einverstanden war? Er, der Gelähmte! Einmal auf dem Dach, rechnen sie nach, wo Jesus sich befinden könnte. Wahrscheinlich kannten sie das Haus und brechen das Dach einfach durch. Nun ist ein Loch im Dach. Ob er überhaupt einverstanden war? Er, der Gelähmte. Und nun „lass’n obi“! Ob er…..  Ich hätte gerne das Gesicht Jesu gesehen, als er den Gelähmten von der Decke herunter baumeln sieht… Der Blick Jesu aber galt ihrem Glauben, er brach durch alle Umstände zu ihrem Glauben durch. Es bedarf manchmal etwas Gewalt und guter Freunde, um zum Wesentlichen durchzubrechen. Es gefällt mir, zu denken, dass der Hausbesitzer das Loch im Dach nicht zugemacht hat. Vielleicht hat er es als Dachfenster umgebaut, um abends unter den Sternen an diese Sternstunde denken zu können.

Sonntag, 6. Dezember 2020, 2. Adventsonntag

Johannes der Täufer

Bild: Johannes der Täufer (Marie Malherbe)

„Wenn sie auch heutzutage noch so viele schöne Straßen bauen, aber an dem Himmelsweg werden sie nichts ändern können, er wird immer holprig und steinig bleiben“ (zu Mk 1,1-8, von P. Giovanni)

Dieser Satz aus einem Brief von Franz Jägerstätter an seine Frau Franziska könnte eine schöne Auslegung des heutigen Evangeliums sein. Alle haben versucht, ihm einen angenehmeren Weg zu bahnen, Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen und Brücken für ihn zu bauen, er ist aber weiter auf dem holprigen und steinigen Weg gegangen.   Holprig und steinig aber nur von außen betrachtet. Von innen betrachtet war sein Weg breit, gerade und schön, wie nur der Weg eines Menschen schön sein kann, dem die Gnade Gottes ermöglicht, sich selbst treu zu sein. Begegnen wir Hindernissen auf unserem Weg, vielleicht sind sie nur ein Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. 

Samstag, 5. Dezember 2020

„Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß…“ (zu Mt 9,35-38; 10,1.6-8, von P. Giovanni)

Anscheinend ein Widerspruch: Einerseits diese Müdigkeit und Erschöpfung der Menschen, andererseits die Aussage, dass die Ernte groß und reif ist. Aber was erntet der Arbeiter, wenn nur Müdigkeit und Erschöpfung vorhanden sind? Die Ernte sind duftende Früchte, Ähren voller goldener Körner, große Kartoffeln, wie sie zum Erntedank im Korb vor dem Altar stehen.

Nicht so ist die Ernte, die Gott sich wünscht, nicht so die Gaben, die er in der Krippe entgegennehmen will.
Die Seele ist dann erst reif, wenn sie ihre ganze Armut und Müdigkeit ausgelotet hat. Wenn sie an ihre Grenzen stößt und merkt, dass sie von alleine nicht weiter gehen kann.

Der Herr sendet uns hinaus für die Ernte, nicht um zu säen, sondern um zu ernten. Die Armut und die Müdigkeit zu ernten, um sie zu Gott zu tragen, der allein sie zu vollenden vermag. 

Freitag, 4. Dezember 2020

„Das, was du siehst, sagt viel mehr als das, was du erzählst“ (zu Mt 9,27-31, von P. Giovanni)

Es ist wie das kleine Kind, das beim Versteckspielen unter dem Tisch hockt, sich dabei mit den Händen die Augen zuhält und, um sich zu vergewissern, dass es sich gut versteckt hat, ruft: „Siehst du mich?!“ - „Nein!“ - „Dann kannst du mich jetzt suchen.“

Jesus scheint dasselbe Spiel spielen zu wollen. Er schenkt zwei blinden Menschen die Sehkraft zurück. Und dann ist das erste, was er ihnen befiehlt: „Schaut, dass niemand davon erfährt.“  Humorvoll!

Es gefällt mir, darin den Kern der Botschaft Jesu zu sehen: Ich tue Gutes und schweige darüber, weil das Gute von selbst zu sprechen weiß und sich gleich finden lässt.

Donnerstag, 3. Dezember 2020

„Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten…“ (zu Mt 7,21.24-27, von P. Giovanni)

Während der eine sich zusammenzieht, um nicht nass zu werden, genießt der andere den Regen im Gesicht, um es dann vom Wind oder von der Sonne trocknen zu lassen.

Manche warten murrend auf die gute Witterung und finden auch an ihr immer etwas auszusetzen. Andere wissen mit jeder Witterung etwas Schönes anzufangen und setzen sich ihr gerne aus.
Wind, Regen und Sturm werden kommen, oder vielleicht sind sie schon da. Und wenn das Haus nicht einstürzt, ist es nur deswegen, weil es von jemandem bewohnt wird, der etwas Gutes mit ihnen anzufangen weiß.

Nicht sich gegen das Unwetter rüsten und Fenster und Türen schließen, sondern viel mehr Ihn zuerst hineinlassen. Wer das Haus mit seinem Willen erfüllt, der ist schon selbst ein Fenster oder eine Tür zum Himmelreich hin.

Mittwoch, 2. Dezember 2020

„Und alle aßen und wurden satt. Dann sammelte man die übrig gebliebenen Brotstücke ein, sieben Körbe voll.“ (zu Mt 15,29-37, von P. Giovanni)

Wenig zu kochen ist immer die bessere Lösung. Ist das Essen gut, bleibt immer noch der Appetit oder eine gute Erinnerung daran übrig. Ist es nicht so gut gelungen, dann bleibt nicht viel davon für die nächsten Tage übrig.

Anscheinend folgt das Wunder Jesu anderen Kriterien. Er kann Brote vermehren, aber nicht genau schätzen, wie viele davon benötigt werden. Ist das nicht seltsam? Hätte er nicht genau die benötigte Menge vermehren können, damit nichts übrig bleibt? Die sieben vollen Körbe müssen jetzt, wo alle schon satt sind, auch noch durch die Wüste wieder nach Hause gebracht werden. War Jesus nicht Herr seiner Kräfte oder war er etwas ungenau?

Was wir aber als Ungenauigkeit oder Unschärfe betrachten, kann ein Raum sein, den Gott in einer anderen Dimension betrachtet, und zwar der zeitlichen. Es gibt eine Ungenauigkeit, die auch als Segen betrachtet werden kann, als ein Raum, in dem wir uns frei bewegen und entfalten können. Ohne Freiraum machen wir auch keine Entwicklung, höchstens eine Abfertigung von vorgegebenen Formen.

Der Überfluss von damals wirkt heute noch überraschend und herausfordernd in seinen vielen möglichen Deutungen. Vielleicht wollte Jesus aus dem damaligen Überfluss auch mich heute beschäftigen und nähren. Was heute zu viel oder zu wenig zu sein scheint, wird uns morgen als das Richtige überraschen - als genau das, was wir gebraucht haben. Die Vergangenheit ist unvorhersehbar und immer wieder überraschend - vor allem dort, wo sie nicht so genau war.

Dienstag, 1. Dezember 2020

„Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht.“ (zu Lk 10,21-24, von P. Giovanni)

Eine Leserunde ausschließlich für österreichische Literatur. Ja, sie hat diese einzige Regel. Jeder kann ein Buch vorschlagen und vorstellen, und dieses Mal bin ich dran. Ich habe mich für „Der alte König in seinem Exil“ entschieden, einfach deshalb, weil es mir von einer Freundin geschenkt wurde. Meistens - wie auch bei Kochrezepten - kann ich nur die probieren, die mir von jemandem, den ich mag, empfohlen worden sind. Der Autor von diesem Buch erzählt von seiner Beziehung zu seinem an Alzheimer erkrankten Vater, und auf einigen Seiten werden kurze Erlebnisse von Bekannten gesammelt, die auch in Kontakt mit dieser Krankheit gekommen sind. Eines davon lautet so:

Norbert erzählt von einem Freund, dessen Mutter Alzheimer hat. Den Sohn erkennt sie seit längerem nicht mehr. Aber wenn er der Mutter ein Foto von sich zeigt, sagt sie: „Das ist mein Sohn!“ Auch neue Fotos: „Das ist mein Sohn!“ Die anwesende Person jedoch ist ihr fremd.

Ist das nicht auch eine seelische Krankheit, wenn ich immer wieder an bekannten und vertrauten Bildern von Gott meinen Glaube anhänge und überlasse, Ihn selbst aber als gegenwärtig in meinem Leben nicht erkenne oder zulasse? Solange Gott uns Bilder von sich selbst oder von seinem Sohn zeigt, erkennen wir ihn. Spricht er uns selbst jetzt direkt an, dann aber nicht. Vielleicht leben wir deswegen in einer Kultur, in der ständig Fotos gemacht, gespeichert und getauscht werden, als ob es ein Weg wäre, die Auseinandersetzung mit dem, was wir gerade sehen, zu umgehen. „Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht“.  Er macht das, was du gerade siehst, vertraut. Daran werden wir ihn erkennen.

Montag, 30. November 2020

Damit wir Morgen nicht mit leeren Sätzen da stehen (zu Mt 4,18-22, von P. Giovanni)

Wie nehmen uns - mein Freund David und ich - den großen Bösenstein im Winter vor: ein bisschen weit aber „lohnend“, wie die Beschreibungen schreiben. Man schmeißt die übliche Ausrüstung ins Auto, bricht zeitig auf, kommt an. Das Wetter ist traumhaft, und voll Vorfreude zieht man sich um. Das dauert ein bisschen… Schuhe, Jacke, Mütze, Handschuhe, Sonnenbrille und Sonnencreme, Schaufeln… aber doch nicht so lange… wonach sucht der David? Plötzlich bleibt er stehen und schaut mich an… ja, der Blick verrät schon, was die folgenden Worte nur bestätigen: „Ich habe die Felle vergessen“. Ein großer Wurf aber kein guter Fang könnte man auch sagen. Als Jesus am See entlang geht, spricht er zuerst die beiden Fischer beim Wurf an, aber gleich danach die, die die Ausrüstung für den Wurf vorbereiten.

Während Andreas und Petrus die Netze werfen, sitzen Johannes und Jakobus mit dem Vater im Boot und richten die Netze wieder her. Die Adventzeit ist nicht so sehr eine Zeit um hinaus zu werfen, sondern vielmehr eine Zeit um die Netze wieder in Ordnung zu bringen.
Sind die Netze nicht in Ordnung, wird später auch der Fang oder der Empfang dürftig sein.
Das Netz von all dem zu befreien, was sich verfangen hat und es unnötig erschwert. Die Fäden wieder zu knüpfen, die gerissen sind und viele schöne gute Fische haben durchgelassen. Das zu verstärken, was abgenutzt ist und vielleicht bald brechen könnte.

Ja, über Schnee und Wetter sowie über die Fische im Meer haben wir keine Macht, über die Ausrüstung, über die Netze und Sätze aber doch.

Sonntag, 29. November 2020, 1. Adventsonntag

Der Hahn auf dem Dach

Bild: Der Hahn auf dem Dach (Marie Malherbe)

Jesus hatte keine Uhr (zu Mk 13,33-37, von P. Giovanni)

Gerne bin ich am kleinen Tisch gesessen. Es war nicht leicht auf dem kleinen Sessel. Die Knie reichten über die Tischplatte, und mit den Füßen wusste ich nicht wohin. Da passte irgendwie etwas nicht, aber für die Kinder, die im Kindergarten am Mittwoch zum Mittagessen am kleinen Tisch saßen, war es normal. Ich habe gerne in meiner alten Pfarre wöchentlich mit ihnen gegessen.

Während ein Kind mir ein kleines Feuerwehrauto zeigt und das zweite mit dem Nebentisch Zwischenrufe tauscht, erforscht ein Bub ganz still mit seinem Löffel die Suppe in seinem Teller. Er wirkt etwas müde, und um die Konversation in Gang zu bringen frage ich ihn: „Peter, um wie viel Uhr stehst du in der Früh auf?“ Ohne seine forschende Bewegung zu unterbrechen schaut er mich eine Weile mit großen Augen ratlos an. Und aus der Tiefe einer mir vertrauten und zugleich fremden Welt sagt er: „Vor dem Frühstück.“ Ja, wann denn sonst? Später habe ich entdeckt, dass die Kinder die Uhr noch nicht kennen, aber in diesem Moment war ich von der treffenden Antwort überrascht.

Dieses Erlebnis hat sich tief und bedeutungsvoll in mein Herz geprägt, und immer wieder taucht es mit seiner deutenden oder umdeutenden Kraft auf.
 
So ähnlich ist es auch jetzt am Beginn dieser Adventzeit: Es gefällt mir, in dem Blick dieses Kindes den Blick Jesu zu sehen angesichts der Frage seiner Nachfolger nach der Zeit und dem Ort, in denen das Reich Gottes kommen wird. „Gebt Acht und bleibt wach!“  Als ob er sagen würde: „Merkt ihr nicht, dass ich keine Zeit habe … und dazu auch keine Uhr, weil ich selbst einfach die Zeit bin? Und dort wo ich bin, hört die Zeit wiederum auf, weil ich irgendwie ewig bin.“ Vielleicht sollten wir aufhören, dort zu zählen, wo es nichts zu „erzählen“ gibt. Die Zeit der Wiederkunft kann man nicht wissen, man kann sie nur erleben als einen treffenden liebevollen Blick, der unsere Vorstellungen durchbricht.